Denklabor

FÜR MORGEN SCHON HEUTE

Für das Denklabor wurde 2017 ein Forschungszuschuss für sechs Monate an Menschen aus dem Kreis der bisherigen Neulandgewinner*innen vergeben. Heike Brückner, Frank Jansky und Karsten Wittke (siehe unten) haben als Denklaboristen mit zu ihrem Thema gemeinsam mit Teams aus anderen Neulandgewinnern und Beratern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gearbeitet. Das Ziel: Erfahrungen der Neulandgewinner*innen bündeln, sichtbar machen und in systematische Lösungswege überführen. Die Zwischen- und Endergebnisse wurden in Workshops mit weiteren Experten und Akteuren diskutiert, die Endergebnisse in unterschiedlicher Form zusammengefasst.


Karsten Wittke wird es nicht langweilig. Der Neulandgewinner (Baruther Bank) ist aktiv im Baruther Institut zur Entwicklung des ländlichen Kulturraums, Projektleiter eines BMZ-Projekts zwischen Baruth und Murun in der Mongolei, Winzer, Künstler – und seit 2015 Stadtverordneter. Seine Erfahrung im Parlament will er nun nutzen zur „Erarbeitung eines Neulandgewinner-Leitfadens mit Praxisempfehlungen für die kommunale Politik in ländlichen Regionen“, so der Titel seines Themas.

Der Leitfaden soll verständlich und nachvollziehbar die unterschiedlichen Positionen und Zielsetzungen der Projektaktivitäten darstellen“, sagt Wittke. Im Kern geht es den Politikern stets um zwei Grundfragen: Was bewirkt das Projekt? Wie wirkt das Projekt? Wittke: „Diese Fragen gebe ich an die Neulandgewinner so weiter – mit dem Ziel, das Konzept der Neulandgewinner langfristig und nachhaltig in kommunalen Entscheidungsprozessen verankern zu können.“

Mithilfe von sechs Neulandgewinner-Projekten will er Fragen beackern wie: Was möchte die Zielgruppe vom Projekt wissen? Wie erklärt man offene Prozesse? Wie trifft man den Ton eines Stadtparlamentes? Auf dem Programm stehen der Besuch von Stadtparlamenten und Stadtratssitzungen, persönliche Gespräche mit Bürgermeistern, Ortsvorstehern und Bürgern, „um auf der Basis der Diskussionen den Leitfaden zu prüfen und weiterzuentwickeln“. Denn sonst könnte es ja langweilig werden.

Zum Projekt

Bei Frank Jansky (WIR-Währung) dreht es sich ums Überleben – von Projekten: „Einkommen, Einnahmen, komplementäre Finanzierungen für Neulandgewinner“ heißt sein Thema. Das Problem: Läuft die Finanzierung eines Neulandgewinner-Projekts aus, droht oft das Aus. „Damit ist es von grundlegender Wichtigkeit, Einnahmen für das Projekt zu realisieren, um das Einkommen für die Akteure zu zahlen“, sagt der Rechtsanwalt. Nur wie kann das gehen? Dazu will Frank Jansky 20 Projekte und ihre Anschlussfinanzierungen untersuchen, aber auch Finanzierungsinstrumente jenseits des Programms. „Im Ergebnis soll es eine Übersicht geben, in der die verschiedenen Finanzierungsinstrumente vorgestellt werden“, so Jansky. Konkret heißt das: die Darstellung von Best-Practice-Beispielen mit Checklisten und Ablaufplänen – damit bürgerschaftliche Projekte auch jenseits von Förderungen ein langes Leben haben.

Die Ergebnisse der Recherche sind auf der Seite des Neuland gewinnen e.V.  veröffentlicht.

Zum Projekt

Das Thema von Heike Brückner (Quartiershof Dessau) liest sich so: „Vom Partizipateur zum Akteur. Postfossile Raumgestaltung – für eine Planungskultur der Interaktion und des Austauschs.“ Heike Brückner will mit einer besseren Beteiligung an Planungen helfen, dass Projekte im ländlichen Raum mehr Neuland gewinnen können. Und da trifft es sich gut, dass sie selbst professionelle Landschaftsplanerin ist und Erfahrungen als Planerin und als Neulandgewinnerin, also aus beiden Perspektiven gemacht hat. Ihre zentralen Fragen: „Wie kann eine prozessgestaltende Planung, eine einladende Planung, eine Neulandgewinner-Bewegung unterstützen? Wie gelingt es, ein Umfeld zu schaffen, in dem Ideen von Leuten auch etwas werden können – und zwar für Akteure auf allen Ebenen, ,unten’ wie ,oben’, im Kleinen wie im Großen?“

Keine leichte Aufgabe. „Dazu werden wir mit den Neulandgewinnern über ihre Erfahrung mit Planung sprechen, aber auch mit relevanten Experten“, sagt sie. „Mein Ziel ist es, daraus Ableitungen zu treffen für eine veränderte Planungskultur mit all ihren Gesetzen und Regeln, aber auch mit ihrer Förder- und Programmkultur.“ Im Ergebnis sollen dann Steuerungsmöglichkeiten der räumlichen Planung herausgearbeitet werden, die auf Anstiftung, Einbindung, Unterstützung von vielen Akteuren abzielen.

Zum Projekt